Montag, 9. Januar 2006

Protokoll zu T

Im Winter '96, bin ich plötzlich nicht mehr dick. T ist der erste, dem das auffällt. Er ist 25, arbeitslos. Aus Dankbarkeit für sein Interesse, werde ich seine Freundin. Er revanchiert sich, indem er aufhört zu trinken und drei Monate lang darauf wartet, mich an meinem 18. Geburtstag entjungfern zu dürfen. Als ich bereit bin, mietet er eine Ferienwohnung. Alles ist gut so. Seine Mutter holt uns mit dem Auto ab.

Im Frühjahr fängt T an Tabletten zu nehmen. Wir fahren über's Wochenende in eine Pension und lieben uns schmerzhaft. Die Gefühle sind kompliziert. T klettert auf einen Hochsitz. Oben lässt er seine Hosen runter. Ich mache ein Foto. Ein Jäger steht überraschend neben mir und sagt: „Ja, ja, der Frühling.“

Im Sommer ist T sehr dünn. Er will mir den Hamburger Dom zeigen. Wir fahren in ein Hotel und schlafen nicht miteinander. Ich weine manchmal.
Später noch die Hochzeit seiner Schwester. T tanzt nicht mit mir und trinkt. Wir fahren mit seiner Mutter heim. Er weint die ganze Nacht. 

Im Herbst ist es zu Ende. Ich sehe Ihn nie wieder nüchtern. Wir ficken noch ein paar Mal, in Fluren und Autos. Seine Mutter sagt, ich hätte ihn kaputt gemacht. Als ich ihn nicht mehr treffen will, zerschneidet er meine Autoreifen.

Ein Jahr später bin ich Zeugin gegen Ihn vor Gericht. Die Anklage ist lang. Ein schwangeres Mädchen ist mit ihm gekommen. Er lacht mich aus, weil ich wieder dick bin. Aus dem Gefängnis schreibt er mir an Geburtstagen.

Irgendwann spricht mich seine Nachbarin an. Ich kenne sie nicht. Sie sagt, dass seine Mutter seit Jahren mit ihm in einem Bett schläft.

Ich habe noch immer das Foto vom Hochsitz.

Sonntag, 1. Januar 2006

...

Meine Spießigkeit ist das Einzige, mit dem ich mich auskenne.