Sonntag, 26. März 2017

Zeitenwende

Ich gehörte ja immer zur Berlin-Fraktion.
Jetzt bin ich im Hamburg-Alter.

Samstag, 25. März 2017

Frühstück mit M

M: Ach ja, hier ist die Anzeige von R. Er hatte schon gesagt, dass er sie heute reinstellt.
Ich: –
M: 419.000 Euro will er haben.
Ich: –
M: Ich dachte das Haus wäre größer. Es sind nur 230 qm.
Ich: Es ist immerhin groß genug, um in getrennten Schlafzimmern zu leben und sich aus dem Weg zu gehen.
M: –
Ich: Wenn die beiden in der Lage wären, ihre Probleme auf der Paar- und nicht auf der Elternebene auszutragen, bliebe die Welt für alle Beteiligten in Ordnung.
M: –
Ich: Das macht man heute doch so.
M: Hier steht, dass wir freundliche, verständnisvolle Nachbarn sind.
Ich: Wenigstens bis K aus der Schule kommt, hätte er sie noch in dem Haus wohnen lassen können.
M: –
Ich: Weitere zehn glückliche Jahre ohne neue Menschen nebenan...
M: –
Ich: Wie kann man nur so sein?
M: "Verständnisvoll" sollte er streichen.
Ich: Richtig! Wir sind nämlich genervt von Leuten, die ihre neuen Regeln mitbringen und es ist angemessen und für alle Beteiligten nur von Vorteil, wenn er das auch in seiner Anzeige so schreibt.

Mittwoch, 22. März 2017

Unoriginelles Scheitern

So viele Ideen.
So wenig Entscheidungen.

Montag, 20. März 2017

Dr. P erkundigt sich

... wie es sich mit dem Sex verhält. Ob es ein Problem zwischen mir und M durch einen Rückzug gäbe, der gewöhnlich mit Depressionen einherginge. Ich sage, dass M selbstbewusst genug sei, so einen Rückzug zu verkraften und in der Lage, sich selbst zu helfen.

Was ich nicht sage: Wäre es anders, würde ich M dafür verachten. Unsicherheiten wegen Zurückweisung, Impotenz, kleinem Penis    ich will sowas nicht. Männer, die sich dafür schämen, tun recht daran.
Ich will keinen Mann, dessen, durch seinen Körper erzwungene oder stillschweigend von außen erbetene, Impotenz ihn beschädigt.
Ich will nicht, dass er diesen Umstand mit Humor oder mit Rücksicht kompensiert.
Ich will nicht verständnisvoll sein oder ihn für tapfer halten müssen. Gibt es etwas erbärmlicheres, als über seinen Mann zu sagen, er sei tapfer?

Wäre M nicht so ein guter Liebhaber, wären wir kein Paar.

Donnerstag, 16. März 2017

Falsche Gründe für das Richtige

Wenn mich jemand doof findet, sollte das nicht aus den falschen Gründen passieren. Aufgrund eines Irrtums, einer Verleumdung oder fehlgeleiteten Kommunikation doof gefunden zu werden, ist demütigend. Es gibt doch genug richtige Gründe.  

Mittwoch, 15. März 2017

Glück erster Ordnung

Niemand will hat gerade mein Konto pfänden gepfändet. Ich kann nicht glücklicher sein.

Dienstag, 14. März 2017

Protokoll zu T

Im Winter '96, bin ich plötzlich nicht mehr dick. T ist der erste, dem das auffällt. Er ist 25, arbeitslos. Aus Dankbarkeit für sein Interesse, werde ich seine Freundin. Er revanchiert sich, indem er aufhört zu trinken und drei Monate lang darauf wartet, mich an meinem 18. Geburtstag entjungfern zu dürfen. Als ich bereit bin, mietet er eine Ferienwohnung. Alles ist gut so. Seine Mutter holt uns mit dem Auto ab.

Im Frühjahr fängt T an Tabletten zu nehmen. Wir fahren über's Wochenende in eine Pension und lieben uns schmerzhaft. Die Gefühle sind kompliziert. T klettert auf einen Hochsitz. Oben lässt er seine Hosen runter. Ich mache ein Foto. Ein Jäger steht überraschend neben mir und sagt: „Ja, ja, der Frühling.“

Im Sommer ist T sehr dünn. Er will mir den Hamburger Dom zeigen. Wir fahren in ein Hotel und schlafen nicht miteinander. Ich weine manchmal.
Später noch die Hochzeit seiner Schwester. T tanzt nicht mit mir und trinkt. Wir fahren mit seiner Mutter heim. Er weint die ganze Nacht. 

Im Herbst ist es zu Ende. Ich sehe Ihn nie wieder nüchtern. Wir ficken noch ein paar Mal, in Fluren und Autos. Seine Mutter sagt, ich hätte ihn kaputt gemacht. Als ich ihn nicht mehr treffen will, zerschneidet er meine Autoreifen.

Ein Jahr später bin ich Zeugin gegen Ihn vor Gericht. Die Anklage ist lang. Ein schwangeres Mädchen ist mit ihm gekommen. Er lacht mich aus, weil ich wieder dick bin. Aus dem Gefängnis schreibt er mir an Geburtstagen.

Irgendwann spricht mich seine Nachbarin an. Ich kenne sie nicht. Sie sagt, dass seine Mutter seit Jahren mit ihm in einem Bett schläft.

Ich habe noch immer das Foto vom Hochsitz.

Samstag, 11. März 2017

Menschen

Theoretisch mag ich Menschen. Also, ich mag Theorien über Menschen.

Freitag, 10. März 2017

Frühstück mit M

Ich: Der einsame George war der letzte seiner Art.
M: Ja, ich weiß
Ich: Hier ist ein Foto. Schau mal wie groß er war.
M: Ja, kenne ich doch.
Ich: Er hat 90 kg gewogen. Der ist so hoch wie ein Mensch.
M: Hmmm.
Ich: Lonesome George...
M: –
Ich: Er war ganz allein.
M: –
Ich: 2012 ist er gestorben. Jetzt haben sie ihn ausgestopft.
M: Ja.
Ich: Kuck doch mal.
M: Jule, lass mich in Ruhe. Ich habe schon vor 5 Jahren getrauert. Jetzt lese ich einen Artikel über Kim Jong Un. 
Ich: –

Donnerstag, 9. März 2017

Dr. P stößt

... bei der Suche nach ungesunden Verhaltensmustern auf meine Sucht nach Liebe und Anerkennung. Alles sehr kindlich.
Ich sage, dass dieses Verlangen von meinem Wunsch nach Anonymität übertrumpft wird. Er bezweifelt das.

Warum wundert er sich, dass ich weiß, dass man aus Krokussen Safran herstellt?

Mittwoch, 8. März 2017

Kaffeetrinken bei Ikea

Ich sitze vormittags bei IKEA, trinke Kaffee und beobachte Leute. Fühle mich dabei ausreichend außerhalb des Alltags. Hier und bei McDonalds ist es unkompliziert genug. Niemand fragt, ob ich noch etwas bestellen möchte. Nicht reden, nur kucken und darüber nachdenken, ob ein Fornasetti-Wandteller mein Leben verbessern wird.

Dienstag, 7. März 2017

Vom Ende (und einem neuen Plan)

Das baldige Ende droht immer. Immer ist es bald zu Ende, scheißegal wie alt du bist - mit 6, 19, 38, 51 oder 83. Angesichts der unendlichen theoretischen Möglichkeiten oder der irrwitzig kurzen Zeit, die wir haben, ist immer 'bald'.
Schon lässt es sich entspannt weiter durch den Tag schlurfen. Eh egal.

Hab mir vorgenommen, nicht nur zu versuchen den Geheimagenten am Ende des Dorfes, sondern alles, alles, alles zu enttarnen. 

Montag, 6. März 2017

Ich arbeite wieder

Ausgerechnet Romantik.
Ausgerechnet ich.
(...)
Wenn sich die Welt ins freye Leben
Und in die Welt wird zurück begeben,
(...)
Dann fliegt vor Einem geheimen Wort
Das ganze verkehrte Wesen fort.
Ach Novalis, übernimm einfach, wenn Dr. P mich nicht mehr sehen will. 
(...)
Und man in Mährchen und Gedichten
Erkennt die wahren Weltgeschichten
(...)
Die haben mich gefragt.
Ausgerechnet jetzt.

Mittwoch, 1. März 2017

Dr. P sagt: ADHS

... vielleicht.

Immerhin eine überzeugende Erklärung dafür, warum ich den Alltag als Zumutung empfinde.